Wenn man wie ich die Lehrjahre in einem Produktionsunternehmen genossen hat wird man mit “Null Fehler Kultur” großgezogen. Überall auf den Betriebsgeländen oder in ABteilungen werden zum Beispiel “Tage seit dem letzten Betriebsunfall” und aber auch die “Fehlerquote” gemessen und an Aushängeplätzen plakativ dargestellt. Und jetzt will Deutschland agil werden und Fehlerkultur leben. Los geht’s.

Mindset: Ego vs. Team

Wie oft geschieht es, dass ein gemachter Fehler einfach schnell behoben wird. Für den Moment und Fehler ist das ja gut. Auch für denjenigen der den Fehler gemacht hat. Aber für die Andere*n im Team, im Unternehmen? Nicht sichtbar, nicht greifbar, nicht kommuniziert, nicht ausgemerzt. Ist ja nicht meine Aufgabe. So geschieht es, dass der Fehler mit hoher Wahrscheinlichkeit irgendjemand erneut passiert. Weil die Ursache bleibt. So oder ähnlich passiert das viel zu oft im Arbeitsleben. Kennt Ihr das? Irgendwie ein bisschen eine Ego Sicht, oder? Wenn hingegen zu Hause ein Fehler oder irgendetwas passiert, agiert man da durchaus auch ganz anders. Der Sachverhalt wird analysiert und man macht sich Gedanken was geändert werden muss, damit nicht die Frau*Mann oder die Kinder in das gleiche Übel rennen. Man denkt vollkommen selbstverständlich für seine lieben mit.

Juhu, ein Fehler ist passiert. Klasse!

Jetzt alles daransetzen, dass keiner mehr diesen Fehler macht. Wie schön wäre das, wenn alle so denken und mitmachen würden. Zu einer Fehlerkultur gehört nun mal zu allererst, dass man offen darüber spricht. Über seine eigenen Fehler, aber auch über die Fehler von Kolleg*innen. Warum denn nicht. Es kommt zur Sprache, ein Team oder sein Umfeld wird in die Diskussion mit einbezogen und sensibilisiert. Alle wissen Bescheid und Maßnahmen zur Vermeidung werden diskutiert und eingeläutet.

Wer war das?

Wenn ich danach Frage, wer den Fehler verursacht hat, dann hat das einen einzigen und guten Grund. Ich brauche einen Gesprächspartner mit dem ich darüber reden kann. Ich will wissen wie wir uns verhalten haben. Welche Systeme, Strukturen oder Prozesse dazu geführt haben. Ich will verstehen ob der Fehler neu ist, oder ob wir den schon mehrfach durchlebt haben. Mir geht es darum die Wurzel des Übels zu finden und die Fehlerquelle für alle Zeiten auszulöschen. So dass niemand mehr den gleichen Fehler machen muss. Wer macht denn schon gerne Fehler. Zum ersten mal, gerne, Juhu! Aber zum zweiten oder dritten oder 1000sten mal. Nein, danke! Denn das spart schlichtweg einfach Frustration, Arbeitszeit im Team und ist somit Wertschöpfend.

Schuld? Scheissegal!

Schuldzuweisungen sind mir ziemlich egal. Auch der Organisation und dem Ergebnis, welches ja schon produziert ist. Schuldig darf sich einzig und alleine derjenige fühlen, der nach einem gemachten Fehler daraus wissentlich keine Analyse durchführt und Vermeidungsmaßnahmen einläutet. Also die sinnstiftende, konstruktive Fehlerkultur untergräbt.

Glänzen wollen

Immer wieder habe ich Businesstheater gesehen wo VORgesetzten oder wem auch immer die heile Welt und “alles läuft” präsentiert wird. Nachvollziehen kann ich das nicht. Möglicherweise mach die Präsentierenden in eigenem Interesse, weil man ja glänzen und gut dastehen will. Das bringt aber der Organisation als Ganzes rein garnix. Sollte es Vorgesetzte oder Sonstige geben die Präsentationen benötigen, dann zeigt ihnen bitte die nackte Wahrheit. Vorgesetzte haben nämlich auch ein Ziel. Und zwar dass das ganze läuft. Eine offene und ehrliche Kommunikation wo etwas hängt, knirrt und knarzt hilft der Sache deutlich mehr. Das gleiche gilt übrigens meiner Meinung nach auch für die Kommunikation von Projektständen einem Partner/Kunden gegenüber.

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